Presseinformation: Gemeinwohl-Ökonomie in Brüssel angenommen

Presseinformation

Gemeinwohl-Ökonomie in Brüssel angenommen

Brüssel, 17.9.2015, Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) hat in seiner heutigen Plenartagung die Initiativstellungnahme zur Gemeinwohl-Ökonomie mit einer Mehrheit von 86% der Stimmen angenommen. Das positive Abstimmungsergebnis stellt eine klare Aufforderung an die Europäische Kommission dar: Im Rahmen der neuen EU-Strategie für soziale Verantwortung sollen Unternehmen für den Nachweis höherer ethischer Leistungen zukünftig belohnt werden.

Das Abstimmungsergebnis im Detail: Gesamt abgegebene Stimmen: 168, davon 144 Ja-Stimmen, 13 Nein-Stimmen, 11 Enthaltungen.

Die Stellungnahme mit dem Titel „Gemeinwohl-Ökonomie – ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell für den sozialen Zusammenhalt“ verfolgt das Ziel das Gemeinwohl-Ökonomie Modell in den europäischen und einzelstaatlichen Rechtsrahmen zu integrieren. Das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie knüpft an bestehenden CSR-Modellen an und entwickelt sie weiter – in Richtung Vereinheitlichung, Rechtsverbindlichkeit und Rechtsfolgen: Ethisches Wirtschaften soll sich lohnen und die Existenz von Unternehmen sichern. Herzstück ist eine „Gemeinwohl-Bilanz“ für Unternehmen. Ergebnisse dieser Bilanzierung können zu Steuervorteilen, verbessertem Marktzugang und zu vorteilhaften Finanzierungskonditionen führen.

Nach Auffassung des EWSA steht das vorgestellte Gemeinwohl-Modell im Einklang mit der Europa 2020-Strategie. Berichterstatter Carlos Trias Pintos sprach sich in der heutigen Plenarsitzung dafür aus, dass „jene Unternehmen, die eine nachhaltige und ethische Strategie verfolgen, dafür in Zukunft auch belohnt werden sollen“.

Seit Februar 2015 befasste sich die Fachgruppe Wirtschafts- und Währungsunion im EWSA mit der Stellungnahme zur Gemeinwohl-Ökonomie. Das heutige Abstimmungsergebnis ist ein wichtiger Meilenstein hin zu einer Marktwirtschaft in Europa, die verstärkt an ethischen Werten wie Menschenwürde, Soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Ökologischer Nachhaltigkeit und Demokratie festhält.

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 Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss

Der EWSA wurde 1957 eingerichtet und ist ein beratendes Organ der Europäischen Union, das den zentralen EU-Organen (Europäische Kommission, Rat, Europäisches Parlament) mit seinem Sachverstand zur Seite steht. Zu diesem Zweck erarbeitet der Ausschuss Stellungnahmen zu EU-Legislativvorschlägen und behandelt in Initiativstellungnahmen weitere Themen, die seiner Meinung nach aufgegriffen werden sollten. Eine der wichtigsten Aufgaben des Ausschusses ist es, eine „Brücke“ zwischen den EU-Institutionen und der „organisierten Zivilgesellschaft“ zu schlagen. Er fördert die partizipative Demokratie in der EU und die Rolle der organisierten Zivilgesellschaft durch den Aufbau eines „strukturierten Dialogs“ mit den sie vertretenden Organisationen in den EU-Mitgliedstaaten und in anderen Ländern weltweit. Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss besteht aus 353 Mitglieder aus 28 EU-Mitgliedsstatten.

Gemeinwohl-Ökonomie – ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein Angebot und ein Modell zum Aufbau einer ethischen Marktwirtschaft. Gemeinwohl ist das Ziel des Wirtschaftens. Geld soll dabei als Mittel zur Erhöhung des Gemeinwohls dienen. Wirtschaftlicher Erfolg wird an der Erhöhung des Gemeinwohl-Beitrags gemessen.

Der ergebnisoffene Weg zu einer gemeinwohlorientierten Wirtschaftsordnung soll in demokratischen Wirtschaftskonventen entwickelt, vom Volk (als Souverän) entschieden und in den nationalen Verfassungen verankert werden. Auf wirtschaftlicher Ebene erstellen Gemeinwohl-Unternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz, auf kommunaler Ebene erstellen Gemeinwohl-Gemeinden einen kommunalen Lebensqualitäts-Index und auf Ebene der Bildung entwickeln Schulen und Universitäten Gemeinwohl-Lehrgänge.

Am Beginn der Bewegung standen 12 engagierte Unternehmen die gemeinsam mit Christian Felber, dem Autor der „Gemeinwohl-Ökonomie“, das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie entwickelt haben. Ausgehend von Wien hat sich die Gemeinwohl-Ökonomie weltweit verbreitet. 1850+ Unternehmen, 240+ Vereine, 20+ Gemeinden und mehr als 5000 Privatpersonen unterstützen die Bewegung. Aktuell wird die Gemeinwohl-Idee in 100+ regionalen Gruppen lokal verbreitet. Einmal jährlich werden alle wichtigen Beschlüsse zur weiteren Entwicklung der Bewegung in einer demokratisch organisierten Versammlung entschieden.

Kontakt und Information: www.ecogood.org

Rückfragen:

Andreas Giselbrecht, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: andreas.giselbrecht@gemeinwohl-oekonomie.org
Mobil: +43 (0)676 750 35 75